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Marianne Dissard: Stuttgart
Saturday, 05 December 2009 12:59

Marianne Dissard in StuttgartUm den gestrigen Abend zu beschreiben, müssen zuerst die Worte kultureller Mix fallen. So spielt die in Tucson, Arizona lebende Marianne Dissard französischen Chanson, Pop und Rock, während die Vorband Mostly Bears mit Retro-Rock und spanischen Titeln glänzt und das alles im gemütlich-schwäbischen Caféambiente des Stuttgarter Laboratoriums.

Mostly Bears, drei Musiker ebenfalls aus Tucson, eröffnen den Konzertabend mit einer musikalischen Mischung aus spanischen, psychedelischen und rockigen Titeln. Die Stimme des Sängers Brian Lopez schallt vibrierend durch den kleinen, vollen Veranstaltungsraum. Das Publikum genießt und scheint sehr angetan von der Lopez' extravaganter Stimme und seinem wilden Lockenkopf, auf den selbst Bob Dylan in seinen besten Zeiten neidisch gewesen wäre.

Die Herren von Mostly Bears sind gleichzeitig Marianne Dissards Band. Dazu holte sie sich noch einen französischen Musiker. So werden nicht nur die obligatorischen Gitarren, das Klavier und Schlagzeug bedient, sondern auch das französische Instrument par excellence: das Akkordeon.

Zierlich wirkt die gebürtige Französin, doch schnell wird klar, dass sie eine Powerfrau ist, die völlig in ihrer Musik aufgeht. Stillstehen scheint es bei Marianne Dissard nicht zu geben. Ausdrucksmedium ist neben ihrer lasziv-tiefen Stimme auch ihr Körper. Alles gesungene wird von ihm durch Mimik, Gestik und Bewegung im allgemeinen kommentiert.

Marianne Dissards spröde französisch-amerikanische Art kommt beim Publikum gut an. So erzählt sie zwischen den Liedern kleinere Geschichten, so zum Beispiel vor dem Anstimmen eines ihrer Liebeslieder: "The next song is a love song. But i wrote it the day after George W. Bush was elected. So i was depressed and pissed...and in love."

Doch wer nun glaubt es wäre ein ganzer Abend von französischem Chanson gewesen der irrt. Marianne Dissard fühlt ich auch im französischen Rock wohl. So wird nicht nur verliebt-französisch ins Mikrofon gesäuselt, sondern auch geschrien und über die Bühne gefetzt. Trotzdem kommen ihrer ruhigen Töne, wie etwa die des überragenden Cayenne am Besten an und ernten kräftig Applaus und typisch schwäbische Bravo-Rufe.

Obwohl die Französin erst ein Album, L'Entredeux, veröffentlicht hat spielt sie bald zwei Stunden. So dürfen auch neue Klänge genossen werden, aber auch das spanische Volver oder ein Cover ihrer Sangeskollegin Francoiz Breut. Nach drei Zugaben hat das Publikum noch immer nicht genug. Marianne Dissard kehrt auf die Bühne zurück mit den Worten: "Just that you know. I only have one album, eleven songs. I played about twenty tonight. I'm stretched." Trotzdem kramt sie noch ein wunderschönes acapella Stück aus, dass den Abend in perfekter Weise abrundet und gleichzeitig beendet. Rebekka Schwarz




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