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Anna Ternheim: München

annaternheimAnna Ternheim singt in ihren Liedern von Liebe und Trennung, von Festhalten und Gehenlassen. Deshalb fangen wir diesmal auch ganz hinten an. Als Zugabe singt Anna Ternheim nämlich eine Coverversion - Little lies von Fleetwood Mac. Wie in Ternheims Texten, so geht es auch hier um das Ermüden zweier Liebender.

 

Noch eine weitere Coverversion war an diesem Abend zu hören: China girl von David Bowie. Beide Coverversionen sind auch auf der EP Shoreline enthalten, mit dem Unterschied, dass Anna Ternheim die Stücke im Ampère unplugged vortrug. Sie hatte keine Begleitung dabei, auf der Bühne nichts weiter als drei Gitarren, ein rotes Piano und sie.

 

Ob allen bekannt gewesen sei, dass es sich um einen akustischen Auftritt handele, fragt sie. In Berlin sei da nämlich einiges schief gegangen. Da habe man Anna Ternheim mit Band angekündigt, dazu ein Bild von ihr auf dem Plakat, das gar nicht sie zeigte, sondern eine andere schwedische Sängerin, „one of my greatest rivals". Doch dies hier ist nicht Berlin. Sie trägt eine dunkle Knickerbocker, ein weißes Hemd, dazu Hosenträger, die sich auf dem Rücken kreuzen. Die Brille mit den großen Gläsern lässt sie aussehen wie eine strenge Internatsschülerin. Immer wieder fallen ihr ein paar blonde Strähnen ins Gesicht, bis sie aus dem Publikum eine Haarklammer gereicht bekommt.

 

In die minimalistische Bühnebeleuchtung eines roten Schimmerns gehüllt, belegt die Schwedin mit ihrem Konzert erneut die bestürzende Möglichkeit des Menschen, über sich selbst nachzudenken. Sie spielt ihre traurig-melancholischen Arrangements und webt einen damit in einen Schleier aus düsteren Melodien. Für To be gone legt sie gar die Gitarre beiseite, alleine ihre Stimme segelt durch den Raum wie eine vereinsamte Möwe am Kai. Die Auftritte von Anna Ternheim sind eine bittersüße Gelegenheit, um die gedankliche Abgeschiedenheit zu erfahren, die man auch in Mitten einer Menschenmasse fühlen kann.

 

Womit wir zurück bei Fleetwood Mac wären: Die britisch-amerikanische Musikgruppe veröffentlichte 1977 ein Album namens Rumours, das bis heute als eines der erfolgreichsten Alben der Musikgeschichte gilt. „Rumours" entstand unter nicht ganz einfachen Bedingungen, gingen in der Entstehungsphase doch die Beziehungen zweier Bandmitglieder in die Brüche. Gut möglich, dass Anna Ternheim sich ausgerechnet einem Lied von Fleetwood Mac angenommen hat, weil eine Episode dieser Band so treffsicher zu ihrer Vorliebe für schmerzhafte Zwischenmenschlichkeit passt.(Florian Zick)


(20.09.2007)


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