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The Decemberists: München
Saturday, 29 September 2007 16:17

decemberistsEs ist fast schon ein wenig beschämend, dass München jedes Jahr in den letzten Tagen des Monats September einen kleinen Existenztod stirbt. Die Stadt scheint dann ein Schild vor sich her zu tragen, auf dem stehen könnte „Wir sind Wiesn". Auch auf dem Konzert der Decemberists kam man dieser Volksfest-Hysterie nicht aus. Frontmann Colin Meloy erzählte von Trachtenjacken, die er sich gekauft hatte, und von einer Lederhose für seinen kleinen Sohn. Amerikaner mit Bierhut standen in Gruppen zusammen. Vielleicht ist es da sympthomatisch, dass auch der Auftritt der Decemberists gegen Ende zu einem Unterhaltungs-Ungetüm mutierte.

 

Besah man sich alleine das künstlerisch gestaltete japanische Bergdorf auf einem Tuch im Bühnenhintergrund, so war dieser Entertainment-Ausbruch der Decemberists eher unerwartet. Ihr letztes Album The Crane Wife dreht sich um ein altes japanisches Märchen, das Meloy in einer Kinderbuchhandlung in Portland entdeckte. Es ist fast ein Konzeptalbum. Das zentrale Stück des Werks ist sicherlich The Island, eine epische Ballade von 13 Minuten Länge, das die Decemberists gegen Mitte des Konzerts auch am Stück spielten. Erzählt wird darin von Entführung, Gewalt und Tod durch Ertränken: Go to sleep now, little ugly. Go to sleep now, little fool. Das hört sich ein wenig anstrengend an, ist es aber keineswegs. Der eingängigen Folkpop der Decemberists hat schon manchen Hörer zu der Annahme verleitet, wenn nicht mit dieser, so lässt sich die Welt mit gar keiner Musik mehr retten.

 

Die Platte ist um Welten introvertierter als sich die Decemberists auf der Bühne präsentieren. Meloy ließ zwei Kreise im Publikum bilden, einen auf der rechten, den anderen auf der linken Seite. Darin sollte nun ein kleiner Tanzwettbewerbe stattfinden. Die anwesenden Amerikaner kannten diese Showeinlage wohl schon, zumindest zeigten sie sich besser vorbereitet. Einer von ihnen sprang sofort in die Mtte und nutzte die Gelegenheit für eine krude Breakdance-Einlage. Zur besseren Illustration ihres Mariner's Revenge Song verlangten die Decemberists später vom Publikum zu schreien, als würde es von einem gewaltigen Wal verschluckt. Der Bassist imitierte mit seinen ausgestreckten Armen dazu das Maul des Walfischs. Die Besucher in den ersten Reihen machten das Animationsprogramm willig mit, die eher feinsinnig Eingestellten konnte diese Theater-AG schon ein wenig nerven.

 

Die Decemberists sollten sich auf ihre Musik konzentrieren, denn auch ohne Unterhaltungsprogramm ist diese bei weitem gut genug, um alleine zu bestehen. Die musikalische Darbietung war ohne Zweifel hervorragend. Leider ging die Tiefe ihrer Musik im Geschepper der Maschinen aus der Spaßfabrik etwas unter. (Florian Zick)


(28.09.2007)




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