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Seabear: München
Sunday, 07 March 2010 20:42

SeabearFür die Freunde der Nacht vielleicht nicht die naheliegendste Abendbeschäftigung, den Samstagabend mit einem Singer-Songwriter Konzert einzuleiten, doch wer sich in die Kälte gewagt hat, wurde von überraschend warmen Klängen empfangen.

Wer es sich zur Angewohnt gemacht hat, immer nur kurz vor knapp bei Konzerten zu erscheinen um den vermeintlich zweifelhaften Vorbands zu entkommen, hat bei diesem Konzert etwas verpasst. Denn schon bei den letzten Songs der Vorband kamen nach und nach alle Mitglieder von Seabear auf die Bühne um am Schluss gemeinsam zu spielen. So viel Final-Gefühl bei dem Auftakt eines Auftritts ist selten und schade für jene, die ihn verpasst hatten.

Die sieben Seebären waren allerdings nicht komplett, temporär muss die Band den Verlust ihrer Mitglieder Kjartan und Inga beklagen, die aus Babygründen nicht an dieser Tour teilnehmen konnten. Überaus adäquater Ersatz konnte allerdings in Form von Arnar Ingi und Eiki (Múm) gefunden werden. Selbst nach der Umstrukturierung boten die sieben Isländer mal wieder die Gelegenheit viele Islandklischees zu verdichten: Der charakteristische Akzent, Norweger-Pullover bei den Herren und Blumenkleider bei den Damen als Dresscode und verträumt-melancholisches Auftreten.

Dann beginnt der werte Herr Sindri Sigfússon zu singen und das Bild ist perfekt. Auf dem schmalen Grad zwischen Transzendenz und gerade noch bodenständiger Singer-Songwriter Musik blickt der Sänger etwas vertäumt und der Welt entrückt in das Publikum, in dem das weibliche Geschlecht deutlich an der Überzahl ist, und vervollständigt so mal wieder das typische Bild des isländischen Musikers.

Anders als erwartet, überwiegt im Laufe des Konzert allerdings gar nicht die Melancholie. Während draußen bittere Kälte herrschte, fühlte sich der Raum nach Frühling und Sonne an. Wo es das Wetter nicht geschafft hat, waren die fröhlichen Songs der Isländer ein willkommener Ersatz für Wärme und Wohlbefinden. Das ging soweit, bis auch das Publikum vom Sänger zum Mitsingen animiert wurde, der sich anschließend mit "Hammer Porno" bedankte - ein deutscher Freund hätte ihm nämlich gesagt, dass dies "großartig" bedeute - und damit auch noch die Lacher des Publikums auf seiner Seite hatte.

Nachdem sich gut gelaunt größtenteils durch The Ghost That Carried Us Away musiziert und teilweise auch Einblick auf das neueste Werk We Built A Fire gegeben wurde, spielte die Band noch Arms und Seashell, welche vom Publikum in deutlicher Begeisterung aufgenommen wurden. Nach zwei weiteren Songs als Zugabe verabschiedeten sich die Isländer dann auch schon wieder und hinterließen das Gefühl einer warmen Umarmung, welche die Kälte beim Verlassen des Clubs fast schon wieder erträglich werden ließ. Florian Tenk

 




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Andrea 2010-03-11 11:30:15

Ich finde, du triffst es schon ziemich genau :) Mir ist das gar nicht so
aufgefallen, dass der weibliche Anteil überwogen hat (also nicht im Hinblick
auf OMG SINDRI HEIRATE MICH). Das Konzert war einfach so gut, ich war selten so
hin- und hergerissen zwischen dem Bedürfnis zu Lachen und dem Drang zu Weinen.
Ein kleines Stück isländischer Frühling im eisigen München. Wundervoll.


Schade fand ich nur, wie rüpelhaft sich mancher Gast der Vorband gegenüber
verhalten hat. Auch wenn man die Musik nicht super findet, muss man ja wohl
nicht einen Meter vor der Bühne lautstark Gespräche über die mangelnde
Qualität der Songs führen.
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