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Auch nach 17 Jahren Bandgeschichte ist bei Tocotronic noch lange nicht die Luft raus. Im Gegenteil, die Hamburger haben mit ihrem neunten Studioalbum Schall und Wahn einmal mehr sämtliche Erwartungen übertroffen. Dass sie dazu auch live in der Lage sind, bewiesen sie am Freitag mit einem fulminanten Konzert in der Münchner Tonhalle. Sara vom LAXMag hat sich für euch unter die tobende Menge gemischt.
Dirk von Lowtzow ist ein Mann der großen Gesten. Das Publikum in der ausverkauften Tonhalle begrüßt er wie gewohnt mit in die Höhe gereckter, geballter linker Faust - gefolgt von einer tiefen Verneigung vor den Anhängern der Band. Große Gesten und große Worte sollen das Konzert der vier leicht ergrauten Herren den ganzen Abend lang begleiten. Denn nichts anderes wäre angemessen bei Tocotronic, ihres Zeichens Urgesteine der Hamburger Schule, Trainigsjackentrendsetzer in den 90ern und immer noch die Nummer 1 - für eine Woche auch der deutschen Charts, vor allem aber des intelligenten, deutschsprachigen Gitarrenpops.
Tocotronic beginnen ihr Set mit Eure Liebe tötet mich, dem 8minütigen Opener der aktuellen Platte Schall und Wahn. Und von Anfang an macht die Band deutlich, wo die musikalische Reise hingehen soll: Vom sympathisch-chaotischen Geschrammel der 90er sind die Hamburger spätestens seit dem Eintritt von Gitarrist Rick McPhail vor sechs Jahren abgekommen - und diesen Weg haben sie konsequent weiterverfolgt. So präsentiert sich die Band heute musikalisch ausgereift, technisch versiert und professionell. Mit unheimlicher Wucht wälzen sich die langgezogenen Gitarrenbretter der neueren Songs durch die Halle und fegen die Zuhörer förmlich weg. Nach drei aktuellen Stücken versuchen sich Tocotronic am Klassiker Die Grenzen des guten Geschmacks 2 - und müssen auf Grund einer technischen Panne gleich noch mal neu beginnen. Man sieht der Band den Ärger über dieses Missgeschick deutlich an und merkt, dass diese Musiker mit vollem Ernst an die Sache herangehen.
Das Publikum braucht eine Weile, um richtig in Fahrt zu kommen. Spätestens aber, als die Band Aber hier leben, nein danke - von Dirk von Lowtzow als "ein Lied über unsere Heimat" angesagt - anstimmt, gibt es kein Halten mehr: Es bildet sich ein wilder Moshpit aus Trainingsjacken und Poloshirts, die Crowdsurfer wälzen sich über den Köpfen dahin und allerorts skandiert man den Refrain mit geschüttelten Fäusten gen Bühne. An diesem Abend darf jeder mal ein bisschen Rebell sein. Der Frontmann kommentiert das Treiben sichtlich belustigt: "Es macht Spaß, euch zuzusehen." Sollte dies ein Kompliment sein, kann man es an die Band zurückgeben: Es macht unheimlich Spaß, Tocotronic zuzuhören. Von Routine oder gar Lustlosigkeit ist nichts zu spüren, die Bandmitglieder verausgaben sich im Gegenteil und der Schweiß tropft auch auf der Bühne aus den nur anfangs gut sitzenden Frisuren.
In ihrem fast zweistündigen Set präsentieren Tocotronic eine geschickte Auswahl an Stücken der letzten drei Alben - auch als Berlin-Trilogie bekannt - und erstaunlich vielen Klassikern, die vom Publikum begeistert abgefeiert und Wort für Wort mitgesungen werden. Dabei greift die Band, abgesehen von Let there be rock und dem einfach unentbehrlichen Drüben auf dem Hügel, nicht unbedingt auf Hits zurück. Vielmehr überrascht sie mit Songs wie Jenseits des Kanals oder auch der Arne-Zank-Nummer Bitte gebt mir meinen Verstand zurück, die sich thematisch einfach hervorragend einfügen. Dass bei neun Alben jeder Anhänger irgendeinen persönlichen Lieblingssong vermissen wird, lässt sich wohl nicht vermeiden. Warum allerdings das fantastische Im Zweifel für den Zweifel von der aktuellen Platte, das nun sogar als Single ausgekoppelt wurde, auf der Setlist fehlt, ist nur schwer nachzuvollziehen - kann aber bei einer fulminanten Darbietung wie dieser dennoch verschmerzt werden.
Als allerletzte Zugabe packen Tocotronic den nach eigener Aussage "ersten Song der Bandgeschichte" aus: Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit - ein Lied über Resignation, wie Dirk von Lowtzow erklärt. Und es ist doch ein bemerkenswerter Konzertmoment, als das Publikum der Band wie aus einem Mund folgende Worte entgegenschleudert: "Gestern um halb drei habe ich noch ein Lied gemacht, und ich rufe eine Freundin an, mitten in der Nacht. Und ich sing es ihr durchs Telefon, und es sagt 'Ich liebe dich'. Kurz bevor ich auflege, schäme ich mich." Anscheinend ist die Welt nach 17 Jahren Tocotronic immer noch nicht bereit. Wer aber nach so langer Zeit einen so alten Song herauskramen, mit solcher Überzeugung vortragen kann und dafür so bejubelt wird, der hat wohl trotzdem alles richtig gemacht. Sara Haußleiter
(25.03.2010)
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Vielleicht lag das Problem auch hier begraben....
http://soundcloud.com/...
Ich kann hier wirklich nur sehr wenig nachvollziehen. Ich finde es unglaublic...
http://www.youtube.com/watch?v=eCQNmFoz_dI&feature=related
Plüschtiere kann man nicht verpacken, Katzen aber schon ;)
http://www.y...
ah pardon, du hast sooo recht! danke für den hinweis!