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Shout Out Louds: München
Sunday, 28 March 2010 14:16

Charme und Charisma: Adam von Shout Out LoudsAuch wenn Adam Olenius, Frontmann und Kreativkopf der Shout Out Louds, sich komplett in Schwarz kleidet, hin und wieder die eigenen Lyrics vergisst und sich samt Mikrofonständer zu Boden reißt, so tut das seinem außergewöhnlichen Charisma auf der Bühne keinen Abbruch. Das zum Bersten gefüllte Backstage war dennoch gebannt von seiner Erscheinung und nahm ihm keinen Aussetzer übel. Auf ihrer Tour zum aktuellen Album Work spielen die Shout Out Louds in fast jeder deutschen Stadt in ausverkauften Hallen. Dabei hat die dritte Platte der Schweden nicht nur Fans. Manche vermissen den so typisch-unbeschwerten Drive in der Musik, wie er noch auf Our Ill Wills und Howl Howl Gaff Gaff zu hören war. Doch das machte die Vorfreude aufs Konzert umso spannender: Wie werden Adam, Bebban und Co. ihre aktuellen Songs zwischen Indiekrachen wie Please, Please, Please und Very Loud einfügen?


Als Support haben sie ihre Landsmänner Nervous Nellie mitgebracht, die angenehmen Indie-Folk und Country-Pop machen. Nervous Nellie sind ein richtiger Familienbetrieb, bestehend aus zwei Brüderpaaren: Henrik und Magnus Johnson (beide Gitarre und Gesang) und Andy und Sebastian Johansson (Drums und Bass). Die Johnsons sind die mit den Bärten, die Johanssons die mit den lustigen Frisuren. Ihr Debütalbum erschien übrigens schon 2005, jetzt mit den Shout Out Louds auf Tour zu sein, ist ein großer Erfolg für die Band und beeindruckend obendrein: "I have never seen so many people in one place", gibt Hendrik schüchtern zu. Im Publikum wird derweil gemütlich mitgewippt und die Hüfte schon mal gelockert für die Indiekracher, die gespannt erwartet werden.

Der Opener der Shout Out Louds ist Track 1 der aktuellen Platte: 1999. Daran schließt sich nahtlos Throwing Stones an, bevor Adam die Fans mit einem zurückhaltenden "We have played in Munich so many times. It's nice to be back." begrüßt. Dann lässt er die ersten Takte von Please, Please, Please erklingen und schon liegt das Backstage ihm zu Füßen. An der Menge, die im Folgenden so derbe, wie's nur geht, abtanzt, hat er sichtlich seinen Spaß. Bei Play the Game haben dann Band wie Fans die Chance, erstmal wieder durchzuatmen und im Blues-Rhythmus mitzuwippen, bevor Tonight I Have To Leave It ertönt und erneut die Masse zum Kochen und Adam ins Stolpern über den Mikrofonständer bringt. Macht nichts, weiter geht's im Text – und Adam auf Tuchfühlung mit den Fans. Er wirft sich singenderweise auf die erste Reihe und wäre sicher gerne gänzlich mit eingetaucht in die Partymeute. Nach Moon, einem weiteren eher ruhigeren Song von Work, stimmen die Schweden die aktuelle Single Fall Hard und freuen sich, wie textsicher die Fans sind und auch diesen Song bis zum letzten Akkord abfeiern. Adam lässt das Publikum für sich singen und ist überwältigt. Seine eigene Textsicherheit lässt jedoch bei The Comeback von Howl Howl Gaff Gaff zu wünschen übrig, was ihn selbst zum Schmunzeln und die Mädchenherzen zum Schmelzen bringt. Einen perfekt
gespielten Song kriegt man schließlich zu Hause im Player jederzeit, so einen charmanten Beweis, dass Musiker auch nur Menschen sind, nur auf einem Live-Konzert.


Bei South America legt der komplett in Weiß gekleidete und dennoch recht unscheinbare Gitarrist Carl Adam das Tambourin um den Hals. So kann Adam singen, Gitarre spielen und sich an den richtigen Stellen mit der Hand auf die Schulter klopfen, um das Tambourin erklingen zu lassen. Das macht schon beim Zusehen Spaß. Er lässt den Song kaum ausklingen, da steht Bebban schon mit dem Schifferklavier bereit, um den Hit Very Loud anzustimmen. Ein Song, auf den das Publikum euphorisch anspringt. Nachdem Adam die Bandmitglieder vorgestellt hat, gibt's noch Too Late Too Slow, Something New und Hard Rain, bevor die Schweden die Bühne verlassen. Das Encore wird eingeleitet von Impossible von Our Ill Wills. Vom gleichen Album ist Are You Dreaming, was trotz erneutem Textaussetzer die Fans zum Träumen bringt, bevor sich die Schweden mit Walls ein rundum gelungenes Konzert beschließen. Und wenn Adam zum Abschied sagt: "Ich hoffe, wir sehen uns heute Nacht noch irgendwo", kann man nach diesem äußert sympathischen, natürlichen und so wunderbar unvollkommenen Auftritt nur antworten: Sehr gerne. Text: Eva Deinert, Fotos: Sara Haußleiter

27.03.2010

 




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