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Neon Golden, das 2002er Album der Weilheimer Elektro-Indie-Pioniere The Notwist, wurde vom Zündfunk völlig zu Recht zur wichtigsten Platte der 00er Jahre gewählt. Um diese Tatsache angemessen zu würdigen, haben Band und Radiosender sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: An zwei Abenden hintereinander sollten The Notwist ihr Meilenstein-Album im Münchner Funkhaus live spielen. Sara vom LAXMag war beim ersten der beiden Konzerte am Samstag für euch dabei.
Um die 600 Zuhörer haben sich im natürlich ausverkauften Studio 1 des BR-Funkhauses eingefunden und harren in gespannter Erwartungshaltung des Auftritts einer der besten Bands unserer Zeit. Die hat vorab in einem Interview verlauten lassen, man sei gar nicht mehr im Besitz aller Samples, die man für die Songs des Albums brauche. So darf das Publikum also tatsächlich neugierig sein, wie The Notwist dieses Konzert bestreiten werden.
Die von The Notwist persönlich ausgewählte Vorband Koflgschroa hat zwar mit den Weilheimern oberflächlich betrachtet in musikalischer Hinsicht nicht viel gemeinsam: Die vier bärtigen Herren aus Oberammergau präsentieren intelligente und leicht durchgeknallte Volksmusik. Nicht nur auf Grund signifikanter Übereinstimmungen bei den Anfangsbuchstaben der Bandmitgliedernamen - es dominiert das M - sondern vor allem in punkto Ideenreichtum und Unangepasstheit sind sie aber sicherlich Notwist-Brüder im Geiste. Und so nimmt das Publikum ihre Songs über Oberammergauer Hausnamen und eingefahrene bayerische Essgewohnheiten erfreut bis begeistert auf.
The Notwist werden vor ihrem Auftritt von Zündfunk-Moderator Achim Bogdahn angekündigt und lassen ausrichten, man werde das Album Neon Golden heute nicht - wie mancher vielleicht erwartet hat - chronologisch durchspielen. "Wir sind hier ja nicht im Museum." Und dieser Satz bringt das, was nun folgen soll, auf den Punkt: Neon Golden lebt und ist nach wie vor ein brandaktuelles und wichtiges Album. Auch wenn seit 2002 zahlreiche Bands versucht haben, wie The Notwist zu klingen, sind die Weilheimer immer noch die Urväter der Kombination aus elektronischem Gefrickel, sperrigen Songstrukturen und melancholisch-eingängigem Gitarrenpop. Und das beweisen sie bei diesem Auftritt eindrucksvoll: Die Songs werden mitnichten 1:1 durchgespielt, sondern mit größter Kreativität zelebriert, abgeändert und mit neueren wie älteren Stücken gemischt.
Das Set beginnt die Band mit dem Neon Golden - Opener One Step Inside Doesn't Mean You Understand. Danach aber wird mit Pick Up The Phone und dem 2008er Song Boneless die Reihenfolge wie angekündigt über Bord geworfen. Neben natürlich allen Stücken vom Album des Abends präsentieren The Notwist auch einige Songs von der letzten Platte The Devil, You & Me und ältere Hits wie Puzzle oder Chemicals. So wird gut verdeutlicht, welchen Platz Neon Golden im Schaffen der Band einnimmt: Es darf sicherlich als Meisterwerk und Meilenstein bezeichnet werden, ist aber nur die logische Konsequenz der musikalischen Fähigkeiten und des Erfindungsreichtums von The Notwist.
Einen Höhepunkt des Konzerts stellt der Titelsong Neon Golden selbst dar, der gegen Ende in ein furioses Elektro-Inferno mündet und dann mit einem von Frontmann Markus Acher selbst eingespielten Gesangs-Sample nahtlos in das fantastische Pilots übergeht. Wo andere Bands einfach nur einen Laptop auf die Bühne stellen, haben The Notwist eine große Palette an elektronischen Gerätschaften vorzuweisen, an denen vornehmlich Chef-Programmierer Martin Gretschmann aka Console - oft mit Hilfe zweier Wii-Fernbedienungen - die charakteristischen Sounds erzeugt. Einspielungen werden oft nicht digital vorgenommen, sondern kommen direkt von Vinyl, was natürlich - etwa bei Solitaire - für den typisch liebenswerten Retro-Klang sorgt. Zuträglich ist der Sache sicherlich die tatsächlich exzellente Akustik im Studio 1 - eine bessere Location hätte man für dieses Konzert nicht auswählen können.
Nach einem ausgedehnten Set verabschieden sich The Notwist schließlich mit Gone Gone Gone - dem Schlusstrack von The Devil, You & Me. Nun ist man also wieder in der Gegenwart angekommen. Und bei der immer noch fast kindlichen Verspieltheit und Experimentierfreude, die The Notwist an diesem Abend an den Tag gelegt haben, ist klar: Diese außergewöhnliche Band ist noch lange nicht am Ende ihres Schaffens angelangt. Oder, wie es passend im letzten Song des Abends heißt: "We will never let you go". Sara Haußleiter
Wer das Konzert verpasst hat und auch für die Zusatzshow am 11.04. keine Karte mehr ergattern konnte, der sollte sich den 13.05. im Kalender markieren: An diesem Tag sendet der Zündfunk einen Live-Mitschnitt der Show!
(10.04.2010)
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Schulzkowski is super unbedingt mehr davon
Noch was zum Thema: http://likeitis93.blogspot.de/2012/03/save-olli-schulz.html
diese kritik ist sehr schön, weil sie sich ausnahmsweise mal nicht schema f<...
und was war besonders? Welche Songs in der Setlist? Wie viele Instrumente
Für diejenigen, die es interessiert: Ich hab auf meinem privaten Blog noch e...