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Give It A Name Festival 2010: München
Friday, 16 April 2010 17:08
Verdienter Headliner: AFIPunk is dead, es lebe Post-Punk! Wenn auf der Bühne Männer jenseits der Dreißig wie Gummibälle über die Bühne springen und die ganz fetten Gitarrenbretter auspacken, wenn vor der Bühne gesträhnte und gepiercte Kids knapp jenseits der Volljährigkeit den genreprägenden Helden huldigen, dann ist das Give It A Name Festival wieder in der Stadt.

Dieses Jahr schien das München-Gastspiel des reisenden Rock-Zirkus jedoch unter keinem guten Stern zu stehen. Erst mussten die britischen Punk-Abräumer Gallows krankheitsbedingt absagen, dann fielen auch noch Against Me wegen anderer Verpflichtungen aus dem Line-Up. Diese beiden Absagen dürften sicher auch der Grund dafür sein, dass das Festival letztlich von der Tonhalle in die deutlich kleinere Theaterfabrik verlegt wurde.

Einlass 16 Uhr, Beginn 17 Uhr: Natürlich ist ein straffer Zeitplan erforderlich, wenn ein halbes Dutzen Bands an einem Abend nacheinander auf die Bühne soll, doch ein etwas späterer Konzertbeginn wäre wohl nicht nur für die berufstätigen Fans wünschenswert gewesen, sondern auch für die ersten drei Bands, die vor einer maximal halb gefüllten Halle spielen müssen und so nicht das Publikum erreichen können, das sie sicherlich verdient hätten.

Auf den ersten Blick erinnert die Theaterfabrik an diesem Abend an einen großen Flohmarkt. Schließlich bieten sechs Bands ihr umfangreiches Merchandise feil, die Verkaufsstände sind dabei mitunter heller beleuchtet als die Bühne. Anfangs will einfach keine Stimmung aufkommen, was sicher auch daran liegt, dass durch die stets geöffnete Eingangstür immer noch Tageslicht in die Halle fällt.

Die von ihren Kollegen an diesem Abend vielgelobten Bouncing Souls geben sich alle Mühe, gegen die ungünstigen Ausgangsbedingungen anzuspielen. Mit ihrem Punkrock zwischen Anti-Flag, Ramones und Suicidal Tendencies passt die Band aus New Jersey eigentlich wunderbar ins Line-Up, doch so richtig springt der Funke nur auf die ersten zwei Reihen über. Zu Beginn des Sets passt das gemäßigte Auftreten von Sänger Greg Attonito so gar nicht zur dynamischen Musik, doch als er nach etwa 20 Minuten von Schlagersänger auf Rocker umschaltet, kommt auch endlich ein bisschen Bewegung ins Publikum.

Deutlich mehr Action gibt es anschließend auf und vor der Bühne bei Story Of The Year zu sehen. Der Fünfer aus St. Louis verfügt in Deutschland über eine nicht gerade kleine Fanschar, und zum ersten Mal an diesem Abend kommt richtige Konzert- und Partystimmung auf. Die schon fast notorisch schlechte Tonqualität in der Theaterfabrik sei hier nur am Rande erwähnt. Mit einer Mischung aus Songs vom neuen Album The Constant und alten Klassikern wie Until The Day I Die machen Story Of The Year ihre Fans trotz mitunter schmerzhaft fiepsender Höhen glücklich.

Um kurz vor 22 Uhr steht dann bereits die Band auf der Bühne, deren Schriftzug auf den Konzertplakaten doppelt so groß gedruckt ist wie der Rest. Keine Frage, die überwältige Mehrheit der Besucher an diesem Abend ist einzig und allein wegen AFI hier. Den Rückflug nach Kalifornien dürften die Jungs schon allein durch den Verkauf ihrer T-Shirts finanziert haben. Obwohl viele der Fans sich 1991, als die Band gegründet wurde, wohl noch eher mit Benjamin Blümchen und den Schlümpfen befassten als mit Emo oder Hardcore, genießen AFI nach wie vor Kultstatus.

In Sachen Energie und Bühnenpower stehen die Mannen um Sänger Davey Havok ihrem jugendlichen Publikum jedoch in nichts nach. Havok weiß genau, wie er seine Fans begeistern kann und springt und läuft mit bemerkenswerter Ausdauer ununterbrochen von einem Ende der kleinen Bühne zum anderen. Dabei präsentiert er sich natürlich gewohnt stilsicher bis hin zum glitzernden In-Ear-Monitoring und inspiriert mit seinen ungewohnt kürzeren Haaren sicher ein paar Fans, gleich am nächsten Tag einen Friseurtermin zu vereinbaren.

Auch wenn sich der Verdacht aufdrängt, dass die Fans ohnehin alles gut finden, was die Band tut, überzeugen AFI mit einer gelungenen Songauswahl und bringen als einzige Band an diesem Abend die Theaterfabrik zum Toben. Die Headliner-Position haben AFI eindeutig verdient. Schade nur, dass um 23 Uhr bereits das Licht angeht. Klar, man soll aufhören, wenn's am schönsten ist, aber eine Zugabe hätte nach gerade mal einer Stunde Konzert doch noch drin sein können. Bettina Koch

15.04.10

Galerie: AFI




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