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The Tallest Man on Earth: München
Tuesday, 10 August 2010 17:44

The Tallest Man on EarthDass Folk so aktuell ist wie schon lange mehr, ist inzwischen kein Geheimnis mehr. So wundert es nicht, dass das Konzert von Kristian Matsson alias The Tallest Man on Earth im 59:1 ausverkauft ist. Nicht verwunderlich, denn der charismatische Schwede holt die anspruchsvolle und altgediente Folkmusik ins neue Jahrzehnt.  

Kennt man nur die rauhe und kräftige Stimme des Tallest Man on Earth, erwartet man kaum den recht kleinen und vor allem sehr schmalen Musiker, der sich gegen 21:30 Uhr zur Bühne kämpfen muss. Als Folk-Musiker mit kratziger, eindringlicher Stimme bleiben Vergleiche mit dem Großmeister Bob Dylan nicht aus. Diese sind sicher nicht von der Hand zu weisen und wahrscheinlich ein Kompliment für jeden jungen Musiker der mit Gitarre bewaffnet auf den Bühnen der Welt unterwegs ist, jedoch findet man bei Matsson Qualitäten, die man bei Bob Dylan vergeblich suchen muss. Um es kurz zu sagen: Der Vergleich drängt sich zwar auf, hinkt jedoch.

Besonders fällt auf, wie unerwartet wandlungsfähig die Stimme des Schweden live tatsächlich ist. So überrascht es, dass er sich streckenweise zwar wie ein Reibebrett anhört, jedoch mindestens genauso oft sanfte und leise Klänge seinen Stimmbändern entlockt. Ebenfalls bemerkenswert ist die Virtuosität, die der Mittzwanziger an seinen Gitarren erreicht hat. Vornehmlich bedient er sich der Akustikgitarre, während er bei ein paar Titeln auch zur elektrischen greift. Mit ein paar Akkorden ist es bei dem Tallest Man nicht getan. Komplizierte Griffe, schnelles Umgreifen und noch schnelleres Zupfen gehört zu seinem Grundrepertoire und macht seine Musik umso stärker.

Auf der Bühne tobt The Tallest Man on Earth sich bis zur Erschöpfung aus. Er huscht, springt und hetzt von einem Bühnenrand zum nächsten, spielt nur wenige Zentimeter vor den verzückten Gesichtern seiner Zuhörerschaft, die im ausverkauften 59:1 mit dem Musiker um die Wette schwitzt. Er bedient sich musikalisch sowohl bei seinen Alben Shallow Grave und The Wild Hunt, bietet dem Publikum aber auch neues Material der bald erscheinenden EP an. Auf der Münchner Bühne scheint er sich trotz - wie er immer wieder betont - trauriger Songthematiken, sogar so wohl zu fühlen, dass er einen neuen Song zum allerersten Mal Live zum Besten gibt. Zu guter letzt lässt er sich dazu hinreißen, in einen seiner Titel Sades Hit By Your Side zu spicken und Scherze über sich als Soldier of Love zu reißen.

Dank Künstlern wie dem Tallest Man on Earth erreicht Folk nicht nur Popularität, sondern wird in Teilen neu zu definiert und modernisiert. Denn so genial Dylan und Co. auch sein mögen, so langweilig wäre es doch, wenn jeder Musiker mit Gitarre ihm lediglich nacheifern würde, ohne neues beizusteuern. Rebekka Schwarz




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