| Beatsteaks: München |
| Thursday, 01 November 2007 01:00 | |||
![]() Ist Punk noch Punk oder wurden geflickte Lederjacken inzwischen gegen Totenköpfe aus Glitzersteinchen ersetzt? Alles eine Frage des Standpunkts - da sind sich Dominik und Nina vom LAXMag einig und verteilen sich am 30. November beim Beatsteaks-Konzert in München an verschiedenen Stellen in der Halle.
30 Meter vor der Bühne: Beim Betreten des Zeniths schlägt mir eine überwältigende Luftfeuchtigkeit entgegen, die Band spielt umgeben von feinem Nebel aus Schweiß. Es ist gerade mal neun Uhr abends, als die Beatsteaks auf der Bühne loslegen, als ob es keinen Morgen gibt. Aus braven Mädchen wie mir werden enthusiastische Rocker, die verschwitzt durch Bierpfützen springen. Dieser Abend ist irgendwie anders, er ist besonders. Während die Masse tobt und über neunzig Minuten durchweg „Beatsteaks" schreit, spielen die Beatbuletten aus Berlin ein Set ohne roten Faden: Alte Hymnen werden mit neuen Chartsplatzierungen vermischt - so bekommen die Fans tatsächlich alle bekannten Songs zu hören. Wer wie ich mit Herzblut dabei ist, freut sich nicht nur über Jump´n´Dance-Titel wie Hand in Hand, Hello Joe oder Cut Off The Top, sondern eben auch über ältere Stücke. Alt eingesessene Beatsteaks-Liebhaber eben, die mit ihrer Band durch Punk und Pop gehen. In gewisser Weise sind die Berliner zu einer Mädchenband geworden. Nicht nur wegen Arnims dreckig rauchiger Stimme und seiner beeindruckenden Erscheinung, die mich dahin schmelzen lassen. Sondern weil die Musiker den Standpunkt aufgegeben haben, dass eine Punkband nur was für Jungs ist. Die finden She Was Great nämlich doof, Soothe Me zu weich. So bilden wir Frauen nicht nur eine überdurchschnittlich hohe Quote für ein Punkkonzert, sondern auch die Abnehmerschaft für Songs, in denen die Beatsteaks einfach mal was anderes probieren wollen - außer Punkrock. Dafür sind beide Seiten dankbar. Die einen singen, wir anderen tanzen. Die einen lassen sich abfeiern, wir anderen huldigen. Es ist über die Jahre schon fast eine Freundschaft entstanden, die von der Band belohnt wird: „Was wollt ihr denn als Zugabe hören?" Obwohl die Hälfte der Fans zu Zeiten von „48/49" erst aufs Gymnasium durften, wünscht man sich die „Barfrau". Die kürzeste und härteste Ballade der Welt, gefolgt vom emotionalen „Let Me In" und dem erhofften „Hey Du". Wieder ein Mädchensong. Und während ich den Damen in der Halle ein befriedigtes, glückliches Lächeln vom Gesicht ablesen kann wird am Ende klar: Wir haben gewonnen. Nina-Carissima Schönrock 3 Metern vor der Bühne: Ich hatte mich gut vorbereitet: Gesunde Ernährung, viel Schlaf und selbst im Fitness-Center staunte man: Lange nicht mehr gesehen aber jetzt willst Du es wissen! Ja, so ein Punk-Konzert ist harte Arbeit. Die härteste Aufgabe war jedoch die Suche nach meinem alten Slime-Shirt. Ganz tief unten im Schrank lag zerknüllt meine Liebe zur Hamburger Punk-Legende.Was vor fünfzehn Jahren gepasst hat, wird heute immer noch funktionieren. Gut, ich hätte ein Jahr länger trainieren sollen, aber ein Bauchansatz ist auch in gewisser Weise Punk. Also mit Dosenbier raus auf die Straße, ohne Ticket in die U-Bahn und mit Gebrüll in den Moshpit. Hier werden Punk-Konzerte gelebt und nur wer hier überlebt ist auch wirklich Punk. Da war schon immer so und die ersten vier Lieder sind Schwerstarbeit. Ellenbogen im Gesicht, Stiefel im Nacken und immer kurz vor dem Umfallen - im richtigen Moment werde ich glücklicherweise aber von der anderen Seite wieder geschubst und bleibe stehen. Arnim tanzt auf der Bühne, auch wenn man davon im Moshpit nicht viel mitbekommt. Im Augenwinkel erahne ich nur, dass die Beatsteaks öfters mal die Hintergrundleinwand wechseln. Mal grün, mal rot mit Kreisen oder Streifen, mal leuchtend. Eine Band mit vielen Gewändern. Mal Punk, mal Pop und im schlimmsten Falle Stadionrock. Dagegen habe ich mir ein Mittel bereit gelegt. Bei ruhigeren Lieder einfach „Slayer" brüllen! Das muss funktionieren, mit Bauchansatz sowieso. Dann war es soweit: She was great provozierte meine wieder belebte Punk-Attitüde - jetzt muss es raus! Aber es ging nicht. Mein Puls raste wie auf dem Laufband des Fitness-Center, ein fünfzehn-jähriger Grünwald-Punk lehnte sich voller Erschöpfung an mich. Eine Erholungsphase überkam den Moshpit - wie Boxer lehnten wir in der Ecke des Rings. Selbst die Seifenblasen die von der Hallendecke schwebten brachten mich nicht zur Rebellion. Es hätte Wolfgang Petry auf der Bühne sein Revival feiern können, ich hätte kein „Slayer" aus mir herausgebracht. Die Sehnsucht nach einer Verschnauf-Pause war zu groß. In dem Moment hat sich die Frage erübrigt ob die Beatsteaks eine Punk-Band sind oder nicht - sie sind eine Live-Band. Dominik Hoferer
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Vielleicht lag das Problem auch hier begraben....
http://soundcloud.com/...
Ich kann hier wirklich nur sehr wenig nachvollziehen. Ich finde es unglaublic...
http://www.youtube.com/watch?v=eCQNmFoz_dI&feature=related
Plüschtiere kann man nicht verpacken, Katzen aber schon ;)
http://www.y...
ah pardon, du hast sooo recht! danke für den hinweis!