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Fury In The Slaughterhouse: München
Monday, 07 April 2008 12:50

War mal ein etwas anderes Erlebnis: Fury In The Slaughterhouse
Was erwartet man von einem Jubiläumskonzert einer Rockband, die bereits über 20 Jahre auf dem Buckel hat und nun auf Abschiedstournee geht? Tränen, Trösten, Taschentücher? Unsere Redakteurin Carla hat dies in der Georg-Elser-Halle für uns herausgefunden und Fury In The Slaughterhouse genauer angeschaut.

 

Wahrscheinlich denkt man beim Thema Abschiedskonzert an alternde Musiker, veralterte Lichtshow und ein doch schon etwas älteres Publikum. Tja, mit all diesen Vorurteilen hat man im Falle Fury In The Slaughterhouse sogar recht. Aber: Das Ganze macht verdammt Spaß.

Schon am Eingang wollen einen die Türsteher in das Konzert gegenüber schicken – Northern Lite spielt in der Kleinen Elserhalle. Nanu? Man ist weder schwarz gekleidet noch stark geschminkt... Beim Betreten der Halle klärt sich diese Verwechslung schnell auf, denn alleine durch die eigene Anwesenheit wird das Durchschnittsalter des Publikums mal eben schnell um einige Jahre gedrückt. Die Halle ist proppenvoll, mit Frauen und Männern „im besten Alter“ in Lederkluft, Jeansjacken und mit langem weißen Pferdeschwanz. Die Furies gibt es eben schon ein paar Jahre und ihre Fans von damals scheinen ihnen bis heute treu geblieben zu sein. Umso spannender, bei solch einem Konzertereignis mit dabei zu sein. Dort, wo Rock wahrscheinlich seinen Ursprung hat.


Die Furies selbst sind sich auch treu geblieben. Kai Wingenfelder als Frontman, Thorsten Wingenfelder als Sänger und Gitarrist, Christof Stein-Schneider an der Gitarre, Gero Drnek am Keyboard und Rainer Schumann an den Drums gibt es nun schon seit 1986, Christian Decker ist vor zwölf Jahren am Bass dazu gekommen. Das ist eine lange Zeit und so nehmen die Furies ihr Alter gerne mal auf die Schippe. So erklärt Christof Stein-Schneider: „In meinem Alter kann das ja mal passieren, dass das Erinnerungsvermögen mal nachlässt.“ Der Saal lacht unisono. Christof weiter: „Das nennt man dann wohl Memo-Pause.“ Aha, Memo-Pause? Na gut. Aber das Publikum ist ja auch nicht gekommen, um Stand-up-Comedians zu sehen, sondern um noch einmal alle Hits zu hören.

Und die werden auch gespielt, alle. Man fühlt sich wie in die guten alten Rockstarzeiten versetzt: Frontman Kai Wingefelder rockt die Bühne á la Campino auf und ab, dazu ist eine wilde Lichtershow angesagt. Bei Solis des verrückten Christof Stein-Schneider wird dann auch mal gerne die Nebelmaschine eingesetzt. Da muss man doch gleich an legendäre Slash-Auftritte denken! Bei Radio Orchid stürzt sich Kai Wingenfelder direkt ins Publikum, und siehe da, er bleibt sogar heil. Das muss aber daran liegen, dass die weiblichen Fans alle mit ihren wachsamen Ehemännern in Begleitung gekommen sind. Zu One good reason steigt dann die gesamte Band von der Bühne und lässt das ganze Publikum auf dem Boden um sie herum Platz nehmen. Wer wird da nicht an die guten alten Zeiten der Sit-ins erinnert?

Fakt ist: Fury In The Slaughterhouse haben ihr Publikum voll im Griff. Und ihre Musik auch. Wer bei den Songs nicht mitwippt, kann kein Tröpfchen Rock im Blut haben. Schließlich spielt die Band Won`t forget these days. Soll heißen: Sie spielen, das Publikum singt. „We`ve sacrificed our future for a heart of rock`n`roll… And I never thought I would …won`t forget these days…” Langsam läuft uns allen ein Schauer den Rücken herunter. Die Furies, eine der letzten großen Rockbands Deutschlands, verlassen uns. Hoffentlich nicht für immer. (Nina Carla Praun)


(05.04.2008)




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