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The Horror The Horror: München
Sunday, 04 May 2008 22:50

Wie ein Strandurlaub:The Horror The Horror
Wofür ist wohl der Stapel bunter Badetücher hinter der Bühne gedacht? Gibt es heute noch eine Strandparty? Auf dem Programm des Atomic Cafés steht eigentlich das Konzert von The Horror The Horror. Die schwedische Indie-Band, die mit ihrem musikalischen Debüt 2005 für einstimmig positive Kritiken sorgte, ist nach München gekommen, um ihr zweites Album Wired Boy Child vorzustellen.

 

 

Zum Reinhören: De-Evaluation According To THTH

 

Bevor es losgehen kann, packt Gitarrist Johan Jansson erst mal die Gitarrenpedale aus der Jutetasche auf die Bühne. Die Schweden - gewohnt naturverbunden, selbst im Rock'n'Roll. Überhaupt, diese Vorurteile. Das Gerücht der Melancholie, die den Nordländern allesamt inne wohnt und sich deshalb auch in ihrer Musik niederschlägt, ist bei uns einfach nicht klein zu kriegen. So herrschte angesichts der ersten Platte von The Horror The Horror große Überraschung, dass ihnen etwas so geradlinig Rockiges gelungen sei wie etwa den Strokes zuvor. Fast ohne Nordmann-Blues. Doch jetzt, beim Folgealbum, sind die fünf Jungs aus ehemals Upsala, jetzt Stockholm, fällig: Endlich meinen manche Musikkritiker, die typisch skandinavische Melancholie im Nachfolger ausgemacht zu haben. Weil es plausibel klingt, schreibt es der Rest einfach ab.

 

Doch jetzt mal Ohren aufgesperrt, denn bis auf die für jedes runde Album obligatorischen Balladen und Low-Tempo-Geschichten ist Wired Child Boy so melancholisch wie eine Fahrt mit der Achterbahn. Wer die Jungs um den zugegeben stereotyp blonden Frontmann Joel Lindström live erlebt, hat gar keine Zeit, trüben Gedanken nachzuhängen, so werden die zappelnden Gliedmaßen von der Musik beansprucht. Gleich die erste neue Nummer des Abends Yes (I'm Coming Out) trifft vehement ins rhythmische Epizentrum. Kein Wunder, orientieren sich die schwedischen Newcomer doch am Marschrhythmus, den Joel auf der Bühne mit seinen in Röhrenjeans geklemmten Beinen vorgibt. Er steht keine Sekunde still, trippelt auf der Stelle,  tigert die Rampe auf und ab, sucht den Kontakt mit der Menge. Immer wieder reißt er wie irre Mund und Augen und fuchtelt mit dem Mikro vor seinem Gesicht herum. Auch seine Bandkollegen Patric, Mattias und Johan  begeben sich hin und wieder auf Wanderschaft, so dass der Gesamteindruck von The Horror The Horror manches Mal einem Sack Flöhe gleicht. Nur Drummer Jakob muss notgedrungen sitzen bleiben. Die tiefe markante Singstimme von Joel, die man dem dünnen Burschen zunächst gar nicht zugetraut hätte, tut ihr Übriges zum live-Gelingen der neuen Hits  von  Country/ City, Come Inside, und ruhiger, Milky White bis zur Zugabe It was Everything, Everything!

 

Ein Unterschied zum Vorgängeralbum ist bei Wired Boy Child natürlich auszumachen, und das ist der größere Anteil an Pop-Arrangements und Discotizing. Doch das ist ein würdiger Ersatz für die eingeschränkten Rockparts. In München lieferten The Horror The Horror auf jeden Fall eine Show, die eindrücklich zeigte, was von Klischees zu halten ist. Na ja, bis auf die Geschichte, dass die Skandinavier so gerne schwitzen. Dafür also die großen Badetücher. (Petra Schönhöfer)


(03.05.2008)




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