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The Gossip: München
Tuesday, 01 July 2008 03:19

Eine gegen den Rest der Welt: Beth Dito von The Gossip Ein Konzert von The Gossip besteht vor allem aus dem Auftritt der Sängerin und Stimme Die Münchner hatten die große Ehre diese viel geschätzte Individualistin gut gelaunt (wenn auch nicht strippend) zu erleben. Abseits vom sommerlichen Festivalmarathon feierte eine begeisterte Menge die Energie geladenen Musiker aus Arkansas und ihre treibenden Beats. Bei soviel Power muss man erstmal mithalten können!

Über dem Backstage Werk, einer Fabrikhalle mit rauem Flair und improvisiertem Biergarten, lag noch immer ein vermeintlicher Grillgeruch des Wochenendes und viele waren wohl da, um die Fußballenttäuschung des Sonntagabends zu kompensieren. Etwas mäßig war daher vielleicht die Aufmerksamkeit, die dem Supporting Act Pencil Toes entgegengebracht wurde. Die drei jungen Engländer und ihre kindliche und sehr Cindy Lauper mäßige Frontfrau boten einen eher vorsichtigen Einstieg. Die durchaus netten Synthie-Melodien reichten leider nicht, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Was allerdings auch schwierig ist, da schließlich The Gossip folgten.

Als es zu dämmern beginnt, betritt die Band unter begeistertem Kreischen des Publikums die Bühne. Sängerin Beth Ditto trägt ein Yves Klein-blaues, enges Kleid mit einem Ausschnitt, der genug vom rosa BH zeigt, um gewagt aber auch ziemlich cool zu wirken. Man muss es ja zugeben: Dieses beachtliche Dekollete ist über die ersten Lieder hinweg der Hingucker überhaupt. Dazu geht es als Starter auch noch so richtig los mit Listen up, einem ihrer angesagtesten Hits, den ein Großteil der Anwesenden mitgrölen kann. Überhaupt herrscht vom ersten Moment an eine elektrisierte Atmosphäre. Publikum sowie Band sind voll da, nicht zuletzt wegen der beeindruckenden Präsenz der Leadsängerin, die fast an eine Souldiva erinnert.

Neben der klaren und vielseitigen Stimme der Frontfrau überzeugt der charakteristische Drive von Gossip. Songs wie Jealous Girls oder Coal to Diamonds beherrscht der treibende, ungezähmte Beat von Gitarrist Nathan und Drummerin Hannah Blilie, die Bassist Chris für dieses Konzert teilweise noch unterstützt. Seit ihren Anfängen vor cirka zehn Jahren wird die Band für eben dieses „unbeirrt nach vorne Preschen“ immer wieder in Kategorien wie „Post-Punk“ (a la White Stripes) einordnet. Ihre Seite ist die der lauten Opposition, entschlossen und kompromisslos. Beim Liveauftritt wird noch nachvollziehbarer, dass ihre Musik für die Bandmitglieder ein Mittel der Befreiung aus bigotten, amerikanischen Zwängen darstellte.

Auf diesem Münchner Konzert ist vordergründig von der politischen Motivation der Queer-Ikone Ditto allerdings wenig zu merken. Ausgelassen albert sie herum, agiert unbeschreiblich locker und sympathisch - vom Rülpser bis zum sehr engagierten Deutschsprechen. Es könnte sich auch um einen kleinen Club im Vorort handeln, so herzlich und unbeschwert wirkt die 27-Jährige bei Gesangseinlagen aus Sister Act 2 oder wenn sie aus dem einfachen deutschen Wort „Dankeschön“ eine Ohrwurm-Hymne improvisiert.

Auf jeden Fall definiert sie ganz neue Standards in Sachen Künstler-Publikum-Interaktion. Das kurzweilige Konzert krönt schließlich ein fulminanter Schlussakt: In der Zugabe animiert Ditto noch einmal das Publikum zu einem Oh Happy Day Gospelchorgesang, um zum lang ersehnten Standing in the Way of Control in die Menge einzutauchen. Und nun wirkt sie doch ein bisschen wie eine Predigerin, die sehr überzeugend für Aktivismus und Toleranz einstehen kann. Keiner scheut sich bei ihrer Aufmunterung (wenn auch schief) ins Mikro zu singen. Und so zelebriert das Publikum noch einmal gemeinsam die Intensität des Momentes. Dann endet der Gig mit einem sanften Fade Out, im Ohr Beths betörendes „Da-da-dankeschön“.Mirjam Miethe


(30.05.2008)




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