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Miss Kenichi: München
Tuesday, 13 January 2009 17:05

Kann keine lustigen Lieder schreiben: Miss KenichiSo voll hat man die Münchner Südstadt lange nicht gesehen. Dicht gedrängt sitzen die Mittzwanziger an den Tischen und essen und trinken gemütlich, vornehmlich Tannenzäpfle Bier. Alle sind entspannt und auch der Eintrittspreis ist eher freundschaftlich: Dieser richtet sich je nach dem Geldbeutel des Publikums und so werden zwischen 8 und 10 Euro fällig. Für die musikalische Untermalung des Sofa Klub Konzert am Montag sorgt Kathrin Hahner, alias Miss Kenichi.

 

Für ihren Auftritt wurde eine Ecke der Südstadt leergeräumt und eine provisorische Bühne gezaubert. Leider ohne portablen Vorhang, wie die Sängerin nach dem Konzert lächelnd bemerkt und sich alternativ unter dem Pullunder einer Kellnerin verkriechen will. Aber der Reihe nach:


Miss Kenichi kommt zum Auftritt leider alleine. Ihren Kompagnon hat die Grippe erwischt und so singt sie nun solo und begleitet sich selbst mit E-Gitarre und Harmonium. Eine Potpourri ihres bisherigen künstlerischen Schaffens gibt sie zum Besten, bestehend aus Songs ihrer zwei Alben, zwei selbstgeschriebenen Filmstücken und einigen Covern. Dies veranlaßt sie den Wirt zu fragen, wie viele davon sie denn rechtlich spielen darf und ob sie bei mehr als vieren in den Fluß geworfen würde. Dass das nicht passiert ist klar, viel zu gebannt lauscht das Publikum ihren Klängen.

Sie beginnt mit dem Titellied des Erstlingswerkes Collison Time und sogleich verfällt man als Zuhörer in eine angenehm ruhige Stimmung. Death Cab folgt im Anschluß und hier macht sich leider bemerkbar, wie sehr man sich an ihre teils verzerrte Stimme, den Baß und das Schlagzeug auf Platte gewöhnt hat. Alle Songs wirken bei der Live-Performance zwar sehr natürlich, aber völlig von ihrem Beiwerk befreit sind sie doch sehr reduziert. Ihre Stimme ist nicht immer stark genug, um den Verlust der Instrumente auszugleichen.

Miss Kenichi schafft es trotzdem, ihr Publikum zu unterhalten. Zu jedem Song hat sie eine Geschichte parat: So erzählt sie zu White Sand, dem Lied der Lotte aus einer Neuverfilmung von Goethes Werther, wie sie am Set die Hannah Herzsprung beim Spielen beobachtet hat, um ihr dann diesen Song auf den Leib zu schreiben. Des Öfteren habe sie schon versucht, lustige Lieder zu schreiben  - gelungen ist es ihr nie. Und sie erzählt vom lebenslangen Suchen und Finden, wirft philosophische Fragen nach dem „Wo ist Zuhause“ auf, wonach sie sich noch immer sehnt. Denn früher sei sie viel herumgekommen mit ihrem Vater, der war Fernfahrer.

Gott sei Dank kann man da nur sagen, hätte sie sonst einen so schönen Song zum Abschluß spielen können wie The Chasing? Christine Bulla

(11.01.2009)




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