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Kaiser Chiefs: München

Kaiser ChiefsEs paßt kein Chuck mehr in die überfüllte Tonhalle. Alle sind gekommen, um mit den Kaiser Chiefs zu grölen, obwohl es in München bereits das dritte Konzert innerhalb eines halben Jahres ist. Da zeigt sich, Fan bleibt Fan und kein Beat wird ausgelassen! Unsere Reporterin Tine war vor Ort.

 

Zum Reinhören: Everyday I love you less and less (live)

Vorband diesmal: Dananananakroyd. Eine schottische 7-köpfige Death-Punk Band mit weiblicher Bassistin, die für ihre Wall of Cuddle in die Geschichte eingehen wird. Bei dieser innovativen Anlehnung an die Wall of Death wird das Publikum halbiert. Auf Kommando laufen beide Hälften aufeinander zu, nicht um sich, wie bei Metal- oder Punk-Konzerten üblich, zu rammen, sondern um sich zu cuddeln, zu deutsch: umarmen. Das funktionierte zwar diesmal nicht so ganz, aber lustig war's trotzdem!

Die Kaiser Chiefs haben mit ihrem gewohnt arrogant wirkenden Selbstbewußtsein die Tonhalle im Sturm erobert. Leadsänger Ricky Wilson, anfangs noch mit roter Krawatte über schwarzem Polohemd, wirkt angetrunken, taumelt auf der Bühne hin und her, verpaßt aber keinen Einsatz und bringt bereits mit der ersten Nummer die Meute zum Mitsingen und Mitschwitzen. Er zieht seine Show durch, wedelt mit dem Tamburin, wirft in Rocker-Marnier seinen Mikrofonständer in die Luft, klettert auf ein Gerüst und das alles, ohne gesangliche Verluste verzeichnen zu müssen.

Jedes Lied an diesem Abend ist ein Treffer, ein potentieller Ohrwurm. Alle Hits aus der Schatzkiste der Kaiser Chiefs kommen zum Einsatz und man ertappt sich dabei, wie man sehr fröhlich die politisch unkorrekte Refrains mitsingt. Da werden Randale eingestanden in I Predict A Riot und die Absage an das Bildungssystem erfolgt mit „It's cool to know nothing" in Never Miss Beat. Und nie hat an sich der englischen Arbeiterklasse verbundener gefühlt als bei We Are The Angry Mob. Das sowieso alles nur Durchschnitt ist, besingen sie in Everything Is Average Nowadays. Auch an Ex-Partnern wird kein gutes Haar gelassen: "Everyday I Love You Less and Less, I can't believe once you and me did sex. It makes me sick to think of you undressed, cause everyday I love you less and less".

Alle Refrains liegen im Ohr und laden zum Mitsingen und Mithüpfen ein. Beim Blick von der Bühne in die Münder der Masse sieht man garantiert sehr viele Mandeln, bei den ganzen langgezogenen Ahhhhs und Ohhhhs. Auch der Gassenhauer Ruby fehlt nicht, auch wenn das Lied im letzten Jahr aufgrund seiner permanenten Rotation auf allen Mainstream-Radiostationen mehr genervt als gefallen hat. In Anlehnung an den verspielten Namen der Vorband, wird ihnen das Mitgröllied Na Na Na Na Naa gewidmet. Bei dieser phonetischen Ähnlichkeit der Namen mußte diese Anspielung einfach gemacht werden.

Als Zugabe schenken sie einem ein ewig langes Oh My God, dessen Refrain immer und immer wiederholt wird, ohne an Intensität zu verlieren. Ein schweißtreibender Abend in München geht zu Ende, aber wie man die Kaiser Chiefs kennt, wird es nicht der letzte in diesem Jahr gewesen sein, denn was haben sie uns versprochen? „When the heat dies down, I'll be back in town". Christine Bulla

 

(20.01.2009)

 



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