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The Gaslight Anthem: München 2009
Sunday, 22 February 2009 12:46

Punkrock der Oberliga: The Gaslight AnthemIm Jahr 2008 blieb die Deutschland-Tour von The Gaslight Anthem nahezu unbemerkt. Konzerte vor weniger als 20 Leute waren die Regel. Schuld war nur eine: die Fußball-EM. Ein Jahr und ein Album später sind The Gaslight Anthem zurück - und alle Shows seit Monaten restlos ausverkauft. Zugunsten der heimeligen Clubatmosphäre entschied sich die Konzertagentur jedoch gegen eine Verlegung des Gigs in eine größere Halle. So gab es im 59to1 ein exklusives Konzert mit Wohnzimmerfeeling und jeder Menge gerührten, schweiß gebadeten und endlos glücklichen Fans.

 

 

Über den deutschlandweiten Run auf die Karten waren selbst The Gaslight Anthem überrascht. Nachdem sie 2008 teilweise vor nur 8 Leuten aufgetreten sind, haben sie mit einer solchen Begeisterung nicht gerechnet. Tickets für die Show im 59to1 standen zeitweise für das Fünffache ihres Preises bei Ebay zum Angebot. Auch wenn diesmal nicht die leeren Konzerthallen das Problem waren, so hatten die Jungs aus New Jersey auf ihrer Europatour bisher trotzdem viel Pech: der schlimmste Schneesturm seit 20 Jahren in Großbritannien verhinderte ihr erstes Konzert, in Schweden ging der Tourbus kaputt, in Finnland haben sie ihre Fähre verpasst und Sänger Brian Fallon musste kurz vor einem Konzert ein Zahn gezogen werden. „You are witnessing history tonight!", verdeutlichte Brian nochmals den Fakt, dass sie überhaupt auf der Bühne stehen und gab auch noch anschauliche Details seiner Zahn-OP preis: „My tooth was pulled out and it was green all over. From that day on we called it ‚The green tooth tour‘."

 

Dem verlorenen, grünen Zahn will Brian in einem Tattoo gedenken und schlug das auch den anwesenden Punkrockfans vor. Die stießen vor Begeisterung die Faust in die Luft und brüllten „Jawoll!". Heute war alles möglich und denkbar! Nachdem die anwesenden volltätowierten Holzfällerhemdträger beim Support-Konzert vom Akustikgitarrenvirtuose und Balladenkönig, dem Singer/Songwriter Frank Turner, die ein oder andere Träne aus dem Augenwinkel gewischt und mit selbigem inbrünstig und fehlerfrei Dancing Queen von ABBA intoniert haben, hatte das Publikum noch bevor die Hauptband die Bühne betrat geschlossen die Harte-Rocker-Fassade abgelegt. Frank Turner erweichte jedes Herz im Raum und entlockte auch dem zähsten Punkrocker überschwängliche Jubelrufe.

 

Seine ABBA-Zugabe galt als Dankeschön an The Gaslight Anthem - an Alex, Brian, Benny und Alex - und rührte vor diesem Hintergrund nur noch mehr. Als exzessiver Konzertgänger erlebt man es nur selten, dass schon ein Support-Act solch eine enthusiastische Zustimmung erfährt und zu einer Zugabe gezwungen wird. Schon an diesem Punkt hatte sich das Konzert mehr als gelohnt. Doch was Gaslight Anthem dann auf der Bühne veranstalteten, war nicht von dieser Welt. In der internationalen Indie-Rock-Szene werden sie schon längst als die größte Band-Entdeckung der letzten Dekade gehandelt, als die Erben Springsteens, als die „Retter des Rock" (Visions), deren Alben Klassiker werden.

 

Und wenn das zunächst auch übertrieben und weit aus dem Fenster gelehnt klingt: Alle haben Recht! Brians Worte - „You are witnessing history tonight" - bekommen daher eine ganz neue Lesart: Wir haben nicht nur das Glück gehabt, einem tausendmal-Yeah!-großartigem, perfekt gespieltem, dem Tanzbein bis zur völligen Erschöpfung alles abverlangendem Konzert beizuwohnen, sondern waren auch mehr als gesegnet, eine Band, die bald große Konzerthallen füllen wird, noch einmal in einem frühen Entwicklungsstadium erleben zu dürfen, in dem sie schüchtern ins Publikum lächelt und hinterher lieber auf einen unvergesslichen Abend mit den Fans anstößt als ihnen Autogramme gibt. Eine Band, die sich unters Partyvolk mischt und zu später Stunde auf der leer geräumten Bühne Ringel-Reihe miteinander tanzt. Sowas erlebt man nicht alle Tage. Nach einer Setlist, die Band wie Publikum körperlich und emotional alles abverlangt hat, ließ es sich Sänger Brian Fallon nicht nehmen, noch einmal gemeinsam mit Frank Turner und dessen Akustikgitarre auf die Tränendrüsen der Fans zu drücken. Ein Konzert, das man niemals vergisst. Eva Deinert

 

Da jeder Moment, jeder Song einfach großartig war, ist es gar nicht möglich einzelne Passagen des Abends besonders hervorzuheben, das würde nur das Gesamtbild des Konzerts zerstören. Daher hier die komplette Playlist:

 

Brechen jedes Hardrock-Herz: Frank Turner und Brian FallonGreat Expectations
High Lonesome
Old White Lincoln
Even Cowgirls get the Blues
Casanova, Baby
The 59 Sound
Senor & The Queen
Elvis
Miles Davis and The Cool
Wooderson
Drive
Here's looking at you, Kid
Boomboxes and Dictionaries
The Backseat
Zugaben:
Blue Jeans
I'da Called You Woody, Joe

 

(21.02.2009)




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