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Southside 07: So wars
Saturday, 21 July 2007 22:50
Southside 2007 - Ein Sturm kommt auf
Gemeinsam im Schlamm liegen verbindet. Wir wollten es uns nicht nehmen lassen, und vom 22. bis 24. Juni 2007 in Neuhausen ob Eck dazu zu legen.

 


Das neunte Southside Festival war es nun schon. Scheinbar kein Grund für die Veranstalter, mit dem Jubiläums-würdigen Lineup bis 2008 zu warten. Bekannte Gesichter waren zu Gast, die eine gewisse Regelmäßigkeit bei ihren Southside-Auftritten pflegen.

 

Placebo, The Sounds und Queens Of The Stone Age, alle bereits zum dritten Mal auf Neuhausens Bühnen und selbstverständlich noch besser und provozierender als in den Jahren zuvor.
Incubus, deren Klang wegen des fehlenden Verstärkers bei Sänger Brandon Boyd leider Abstriche machen muss. Bright Eyes alias Conor Oberst, der aus seinem Ein-Mann-Projekt in diesem Jahr eine Band gegründet hat und als John Lennon-Verschnitt die Fans verwirrt.

 

Verwirrt. Das waren die 45.000 Besucher und Fans auch, als Freitag Spätnachmittag eine Gruppe die Blue Stage betritt, die ursprünglich als die Editors angekündigt wird. Aber Moment, die tragen dunkle Anzüge und klingen wie... „Interpol?“ fragen zwei tanzwütige Schweizer. Klingen so, sind aber tatsächlich die Editors aus Birmingham, deren Ähnlichkeit vom neuen Album zu Interpol, die amüsanter Weise zwei Tage später auf der selben Bühne stehen werden, verblüffend ist.

 

Doch sie sind lauter, lärmender, in ihrem Auftritt imposanter als Interpol und sprechen ein breiteres Publikum an. Interpol hingegen spielen für ihre Fans, fast für sich selbst. Ein Egotrip, ohne große Lichteffekte und Publikumskontakt. Dafür umso emotional tief greifender, pathetisch, düster, aber mit einer Hingabe, die Nackenhärchen stellt. Mit einem Paul Banks, der jünger ist als er klingt, in dessen Augenringen sich aber zehn Jahre Bandgeschichte und intensive musikalische Entwicklung widerspiegeln.

 

Eben diese Augenringe, hier allerdings geprägt von Beziehungsleiden und Fetischen, weiß ein anderer Großer des Geschäfts zu überschminken. Menschliche Züge versucht er zu kaschieren. So versteckt er sich jedes Mal zum Wasser Trinken auf dem Boden neben dem Schlagzeug und präsentiert sich den Fans erst wieder, um die halbleere Flasche ins Publikum zu werfen.

 

Marilyn Manson verwandelt mit seiner Manson-Horror-Picture-Show die sonst so pop-rockige Festivalbühne in eine mit Kerzenmeeren überflutete Gruft, auf der er – wie sollte es anders sein – provoziert. Ein Mikrophon in Gestalt eines riesigen Metzgermessers, ejakulierende Wasserflaschen und Gestiken für das volljährige Publikum sorgen, kombiniert mit musikalischen Meilensteinen und bekannten Covern, für genau die Show, die man sich vom Schock-Rocker erhofft hat.

 

Hingegen weniger gruselig, dafür recht gesprächig und überspannt: Art Brut, die zwischen philosophischen Musikergrundfragen und der Aufklärung, dass man Rockstars kein Wort glauben darf - vorallem nicht, wenn sie über Ex-Freundinnen singen - auch gerne mal Bomben wie Modern Art und Formed A Band rein hauen. Ein knallbuntes Feuerwerk übermotivierter britischer Hüpfparadenmusiker, die einem ein weiteres Aufreihen großartiger Bands vorneweg nehmen.

 

The Rakes: Top of the Pops! Sonic Youth: Top of the Pops! The Blood Arms: Top of the Pops!“ Art Brut, sowas von Top of the Pops und stehen den abgefeierten Senior-Helden des Wochenendes in nichts nach. Frank Black ohne Pixies, Pearl Jam ohne auffallend gutem Konzert, die Fantastischen Vier und die Beastie Boys. Beide ohne spürbaren Fortschritt ihres Alters, aber mit einer Energie, die ein rechtzeitiges Stau-bedachtes Verabschieden vom Southside verhindert.

 

Doch der Abschluss durch die Beastie Boys lohnt sich, das neunte Southside Festival geht nach schlammigen Strapazen und einem vorangegangenem Unglück mit Todesfolge friedlich zu Ende. Wir freuen uns bereits jetzt auf das große Jubiläumsfestival im Juni 2008. (Nina-Carissima Schönrock und Dominik Hoferer)

 

Das Video zum Souhside Festival 2007

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